Author: Anamika Sharma

  • Verteilnetz wird leicht teurer

    Verteilnetz wird leicht teurer

    Strompreise 2026 in der Schweiz: Halbzeitbilanz und Ausblick auf 2027

    Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 das zweite Jahr in Folge sinken. Die jährliche Strompreisumfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) zeigt für einen typischen Haushalt einen Rückgang von rund 6 Prozent, für mittlere Gewerbebetriebe von rund 7 Prozent. Verbindlich wird es in den nächsten Tagen: Bis Ende August müssen die rund 580 Grundversorger ihre definitiven Tarife den Kundinnen und Kunden sowie der ElCom melden, Anfang September publiziert die ElCom sämtliche Zahlen. Sobald sie vorliegen, ordnen wir die definitiven Tarife in einem Folgebeitrag ein. Schon heute lässt sich aber sagen, worauf es für Unternehmen ankommt: weniger auf die Schlagzeile als auf die Frage, welcher Teil des Strompreises überhaupt günstiger wird – und was gleichzeitig mit der Vergütung für eingespeisten Solarstrom passiert.

    Tarife 2027: die zweite Entlastung in Folge

    An der VSE-Strompreisumfrage, die vom 18. Mai bis 9. Juni 2026 lief, nahmen 75 von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen teil. 35 davon konnten bereits konkrete Tarife für 2027 nennen, 40 antworteten qualitativ. Bei den 35 Versorgern mit konkreten Angaben sinkt der Median für das Haushaltsprofil H4 auf 26.6 Rp./kWh, nach 28.6 Rp./kWh im Vorjahr. Gegenüber 2024, als der Wert in dieser Gruppe noch bei 33.0 Rp./kWh lag, entspricht das einem Rückgang um rund einen Fünftel. Auch die Mehrheit der Versorger, die noch keine Zahlen nennen konnten, erwartet sinkende oder gleichbleibende Tarife.

    VerbrauchsprofilTypischer JahresverbrauchMedian 2027 vs. 2026
    H2 – Wohnung2’500 kWh− 3 %
    H4 – Haushalt (Referenzprofil)4’500 kWh− 6 % (26.6 Rp./kWh)
    C3 – mittlerer Betrieb150’000 kWh− 7 %
    C4 – grosser Betrieb500’000 kWh− 4 %

    Angaben der 35 Energieversorgungsunternehmen, die im Juni 2026 bereits absolute Tarife für 2027 nennen konnten (Median). Es handelt sich um eine Momentaufnahme, nicht um definitive Tarife.

    Zur Einordnung: 2026 liegt der schweizweite Median für das Profil H4 gemäss den Berechnungen der ElCom bei 27.7 Rp./kWh und damit rund 4 Prozent unter dem Vorjahr. Die Entlastung setzt sich also fort, fällt 2027 aber deutlicher aus.

    Warum die Tarife sinken – und warum nicht überall

    Der Rückgang stammt fast vollständig aus dem Energieanteil: Je nach Kundengruppe sinken die Energietarife um 6 bis 15 Prozent. Hauptgrund sind die rückläufigen Preise auf den Stromgrosshandelsmärkten.

    Die Netztarife bleiben 2027 im Mittel stabil. Das Verteilnetz wird leicht teurer, weil vielerorts in Netzausbau und Netzverstärkungen investiert wird. Das Übertragungsnetz wird günstiger, weil bei Swissgrid die Kosten für Engpassmanagement und Systemdienstleistungen zurückgehen. Ein Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 90’000 kWh zahlt dafür noch rund 1’086 statt 1’286 Franken, also 15.6 Prozent weniger. Der Tarif für die inländische Stromreserve fällt von 0.41 auf 0.17 Rp./kWh. Einzig der Zuschlag für solidarisierte Kosten steigt, unter anderem wegen Netzverstärkungen in den unteren Netzebenen und der Entlastung der Eisen-, Stahl- und Aluminiumindustrie beim Netznutzungsentgelt.

    Bemerkenswert ist, was nicht passiert ist. Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 sind die Preise am Terminmarkt gestiegen, in den Tarifen für 2027 schlägt sich das vorerst kaum nieder. Der Grund liegt in der Beschaffung: 75 Prozent der Versorger kaufen die Energie mehrheitlich langfristig ein, also zwei bis drei Jahre oder länger im Voraus, während 25 Prozent kürzere Fristen wählen oder kurz-, mittel- und langfristig kombinieren. Seit Inkrafttreten des Stromgesetzes hat die vorwiegend kurzfristige Beschaffung als Strategie an Bedeutung verloren. Das dämpft Ausschläge nach oben – verzögert aber auch, bis eine Entspannung am Markt bei den Kundinnen und Kunden ankommt.

    Der Median sagt zudem wenig über den einzelnen Standort aus. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet der Schweiz liegen über 30 Rp./kWh, abhängig von Eigenproduktion, Netzkosten und Beschaffungsstrategie des lokalen Versorgers. Einzelne Netzgebiete können deshalb gegen den Trend teurer werden. Ein Blick auf das eigene Tarifblatt und auf die Strompreis-Webseite der ElCom lohnt sich mehr als jeder Schweizer Durchschnittswert.

    ElCom: Strompreise Schweiz

    Woraus sich der Strompreis zusammensetzt

    Der Strompreis besteht aus fünf Komponenten, die unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Stromversorgung abdecken (Übersicht des VSE):

    • Energietarif: Kosten für den gelieferten Strom.
    • Netznutzungstarif: Kosten für Bau, Betrieb und Unterhalt der Stromnetze, dazu die inländische Stromreserve und der Tarifzuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz.
    • Messtarif: Kosten für Einbau, Betrieb, Unterhalt und Ablesung der Zähler sowie die Verarbeitung der Messdaten; seit 2026 separat auszuweisen.
    • Abgaben an Kantone und Gemeinden.
    • Netzzuschlag von 2.3 Rp./kWh, unter anderem zur Förderung erneuerbarer Energien.

    Massgebend für die Höhe des Strompreises sind der Energie- und der Netznutzungstarif. Für Unternehmen ist diese Unterscheidung zentral: Günstiger wird Strom dort, wo der Markt wirkt. Alles, was über Netz, Messung, Abgaben und Zuschläge läuft, bleibt stabil oder legt leicht zu – und lässt sich nur über den Eigenverbrauch beeinflussen.

    Ruhige Tarife, unruhiger Markt

    Während die Grundversorgungstarife stabil bleiben, wird der Markt dahinter volatiler. Über Mittag drücken hohe Solareinspeisungen die Spotpreise regelmässig gegen null oder darunter, am Abend schnellen sie nach oben, sobald die Sonne wegfällt. Während der Hitzewelle Ende Juni 2026 waren in einzelnen europäischen Märkten kurzzeitig Preise von mehreren hundert Franken pro Megawattstunde zu beobachten, während in derselben Woche mittags Überschüsse herrschten.

    Die ElCom stufte die Versorgungssicherheit Ende Juni 2026 als gewährleistet ein, wies aber auf die erhöhte Preisvolatilität und die Wiederbefüllung der europäischen Gasspeicher hin. Für das kommende Winterhalbjahr bleibt die Ausgangslage damit zu beobachten; die ElCom aktualisiert ihre Einschätzung zur Versorgungssicherheit wöchentlich.

    Der eigentliche Umbruch betrifft die Einspeisung

    Für Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaikanlagen ist die Tarifsenkung nicht die wichtigste Neuerung. Seit dem 1. Januar 2026 gelten schweizweit einheitliche Regeln für die Abnahme von Solarstrom: Die Vergütung richtet sich nach dem vierteljährlichen Referenz-Marktpreis des Bundesamts für Energie, für Anlagen unter 150 kW greift zusätzlich eine gesetzliche Mindestvergütung.

    Auf Anfang 2027 folgt der nächste Schritt. Dann richtet sich die Abnahmevergütung nicht mehr nach dem Quartalsdurchschnitt, sondern nach dem stündlichen Spotmarktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung; für die Umstellung gilt eine Übergangsfrist bis Anfang 2028. Einzelne Versorger sind bereits vorausgegangen, die BKW etwa per 1. Juli 2026.

    Für kommerzielle Anlagen ist das der entscheidende Punkt: Anlagen über 150 kW sind nicht durch die Mindestvergütung geschützt und damit direkt dem stündlichen Preissignal ausgesetzt. Eine Kilowattstunde, die um 13 Uhr an einem sonnigen Sonntag ins Netz geht, ist nicht mehr gleich viel wert wie eine Kilowattstunde um 18 Uhr an einem Werktag. Hinzu kommt die netzdienliche Einspeiseregelung: Neue Wechselrichter begrenzen seit dem 1. Januar 2026 die Einspeisung auf 70 Prozent der installierten Modulleistung, ohne den Eigenverbrauch einzuschränken.

    Was Unternehmen daraus ableiten sollten

    1. Eigenverbrauch bleibt der stabilste Hebel. Wer selbst produzierten Strom direkt verbraucht, spart nicht nur den Energieanteil, sondern das gesamte Paket aus Netznutzung, Messung, Netzzuschlag und Abgaben. Genau diese Bestandteile sinken kaum.
    2. Lastprofil vor Jahresverbrauch. Mit dem stündlichen Preissignal entscheidet die zeitliche Verteilung über die Wirtschaftlichkeit. Eine Auswertung der Viertelstundenwerte ist die Grundlage jeder seriösen Planung.
    3. Speicher und Steuerung neu bewerten. Batterien, Wärme, Kälte und Ladeinfrastruktur werden dort attraktiv, wo sie Mittagsüberschüsse in die Abendstunden verschieben und Lastspitzen glätten.
    4. Tarifblatt 2027 prüfen, sobald es vorliegt. Bis Ende August melden die Versorger ihre definitiven Tarife, Anfang September ist der Vergleich auf der Strompreis-Webseite der ElCom möglich. Bei mehreren Standorten lohnt sich die Prüfung pro Netzgebiet.
    5. Verträge zur Rücklieferung anschauen. Bei individuellen Vereinbarungen mit dem Verteilnetzbetreiber gehört die Behandlung negativer Preise zwingend geregelt.

    Die Strompreise sinken 2027 zum zweiten Mal in Folge. Das ist eine gute Nachricht, sie beschreibt aber nur die halbe Realität. Der Rückgang stammt aus dem Energieanteil, während Netz, Messung und Abgaben stabil bleiben oder steigen. Gleichzeitig nimmt die Volatilität innerhalb des Tages zu, und die Vergütung für eingespeisten Solarstrom folgt ab 2027 dem stündlichen Preissignal. Der Wettbewerbsvorteil liegt künftig weniger im günstigen Einkauf als in der Fähigkeit, den eigenen Verbrauch und die eigene Produktion zeitlich aufeinander abzustimmen.

    Swiss Renewable Solutions begleitet Gewerbe und Industrie genau dabei: von der Analyse des Lastprofils über die Auslegung der Anlage bis zur Finanzierung im Contracting, ohne Investitions- und Unterhaltskosten auf Kundenseite.

    Quellen

    VSE, Umfrage zeigt: Stromtarife 2027 dürften weiter sinken (29.06.2026)  |  ElCom, Leicht sinkende Strompreise 2026 (09.09.2025)  |  ElCom, Aktuelle Einschätzung Versorgungssicherheit  |  ElCom, Strompreis-Übersicht  |  Swissgrid, Swissgrid senkt Tarife im Jahr 2027 erneut (17.03.2026)  |  Swissolar, 2026: Was gilt neu für Photovoltaikanlagen?  |  Swissolar, Abnahmevergütung  |  BFE, Referenz-Marktpreise gemäss Art. 15 EnFV  |  BKW, Die BKW führt vorzeitig ein marktnahes Preismodell für Solarstrom ein (28.05.2026)

  • Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern: Wann sich ein Speicher für Gewerbe und Industrie wirklich rechnet

    Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern: Wann sich ein Speicher für Gewerbe und Industrie wirklich rechnet

    Batteriespeicher gelten als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Für Unternehmen zählt allerdings eine andere Frage: Rechnet sich die Investition? Die Antwort darauf hat sich innerhalb weniger Monate spürbar verschoben. Gesunkene Systempreise, ein neuer regulatorischer Rahmen seit dem 1. Januar 2026 und deutlich volatilere Strompreise verändern die Kalkulation. Gleichzeitig bleibt richtig, was wir schon länger sagen: Ein Speicher, der ausschliesslich den Eigenverbrauch erhöht, amortisiert sich in vielen Schweizer Gewerbebetrieben noch immer nur knapp. Entscheidend ist, welche Ertragsquellen ein Betrieb tatsächlich erschliessen kann.

    Der Markt hat gedreht, und zwar deutlich

    Die im Juli 2026 veröffentlichte Statistik Sonnenenergie für das Jahr 2025 zeigt zwei gegenläufige Bewegungen. Bei der Photovoltaik gingen die Neuinstallationen erstmals seit 2017 zurück, um rund 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Batteriespeichern dagegen wurde ein Zubau von 490 Megawattstunden verzeichnet, das sind 70 Prozent mehr als im Jahr davor. Ende 2025 waren in der Schweiz über 93 000 Speichersysteme mit einer Gesamtkapazität von rund 1380 Megawattstunden installiert. Swissolar erwartet, dass sich die neu installierte Speicherkapazität im laufenden Jahr nochmals verdoppelt.

    Der Grund für diese Verschiebung liegt im Strommarkt selbst. Die Photovoltaik deckt inzwischen rund 14 Prozent des Schweizer Stromendverbrauchs. Das drückt die Preise über Mittag im Sommer nach unten, während sie in den Morgen- und Abendstunden sowie im Winter steigen. Genau diese Spreizung ist die wirtschaftliche Grundlage jedes Speichers. Wer heute eine PV-Anlage plant, plant faktisch ein zeitliches Verschiebungsproblem mit.

    Vier Ertragsquellen, die sich stapeln lassen

    Ein Batteriespeicher im Gewerbe verdient sein Geld selten aus einer einzigen Anwendung. Wirtschaftlich wird er meist erst, wenn mehrere Erlösquellen kombiniert werden. In der Schweiz sind das vier.

    1. Eigenverbrauchsoptimierung

    Der Klassiker: Solarstrom, der sonst zu tiefen Rückliefertarifen ins Netz ginge, wird gespeichert und später selbst verbraucht. Der Ertrag entspricht der Differenz zwischen dem vermiedenen Bezugspreis und der entgangenen Rückliefervergütung. In der Schweiz liegt diese Spanne je nach Netzgebiet und Kundengruppe typischerweise bei 10 bis 20 Rappen pro Kilowattstunde. Für sich allein genommen reicht dieser Effekt bei den heutigen Systempreisen in den meisten Gewerbebetrieben nicht für eine überzeugende Amortisation.

    2. Lastspitzenkappung

    Bei Gewerbe- und Industriekunden hängt ein erheblicher Teil des Netznutzungsentgelts an der höchsten gemessenen Viertelstundenleistung. Leistungspreise von rund 10 Franken pro Kilowatt und Monat sind bei vielen Verteilnetzbetreibern marktüblich. Wer seine Spitze mit einem Speicher um 100 Kilowatt senkt, spart in der Grössenordnung von 12 000 Franken pro Jahr. In der Praxis ist dies bei Produktions-, Logistik- und Kühlbetrieben der mit Abstand stärkste Werttreiber und häufig der Punkt, an dem die Rechnung kippt.

    3. Arbitrage und zeitvariable Tarife

    Seit dem 1. Januar 2026 sind in der Schweiz zeitlich oder örtlich differenzierte Netznutzungstarife zulässig. Damit lässt sich ein Speicher gezielt dann laden, wenn Energie und Netznutzung günstig sind, und dann entladen, wenn beides teuer ist. Noch grösser wird dieser Hebel ab 2027, wenn sich die Rückliefervergütung nicht mehr am vierteljährlich gemittelten Marktpreis, sondern am stündlichen Spotmarktpreis orientiert. Für die Übergangsfrist ist Anfang 2028 vorgesehen. Solarstrom zu Zeiten sehr tiefer Preise einzuspeisen, wird damit wirtschaftlich unattraktiv, ihn zu speichern dagegen deutlich attraktiver.

    4. Systemdienstleistungen für Swissgrid

    Batteriespeicher reagieren innerhalb von Millisekunden und eignen sich damit hervorragend für Primär- und Sekundärregelleistung. Swissgrid hat den Zugang zu diesem Markt per 2026 erleichtert und die minimale Angebotsmenge von 5 auf 1 Megawatt gesenkt. Für einzelne Betriebe bleibt das meist zu gross, über Pooling-Anbieter und Aggregatoren ist der Markt inzwischen aber auch für Anlagen im mittleren dreistelligen Kilowattbereich erreichbar. Wichtig ist die realistische Betrachtung: Wer Leistung für Regelenergie vorhält, kann dieselbe Leistung nicht gleichzeitig für die Lastspitzenkappung einsetzen.

    Was sich 2026 regulatorisch geändert hat

    Mit dem zweiten Verordnungspaket zum Stromgesetz sind per 1. Januar 2026 mehrere Punkte in Kraft getreten, die direkt auf die Wirtschaftlichkeit von Speichern wirken.

    • Rückerstattung des Netznutzungsentgelts: Betreiber von Speichern mit Endverbrauch können neu beim Verteilnetzbetreiber die Rückerstattung des Netznutzungsentgelts beantragen, allerdings nur für jene Strommenge, die aus dem Netz bezogen, gespeichert und später wieder ins Netz zurückgespeist wird. Voraussetzung ist ein Messkonzept, das diese Mengen sauber ausweist. Grundlage sind Art. 18d StromVV und Art. 14a Abs. 4 StromVG. Speicher ohne Endverbrauch sind bereits seit dem 1. Januar 2025 vom Netznutzungsentgelt befreit.
    • Lokale Elektrizitätsgemeinschaften: Seit Anfang 2026 können Verbraucher im gleichen Netzgebiet, auf derselben Netzebene und in derselben Gemeinde lokal erzeugten Strom untereinander handeln. Der Abschlag auf das Netznutzungsentgelt beträgt derzeit 40 Prozent, bei Beanspruchung der Transformationsebene 20 Prozent. Swissolar fordert eine Anhebung auf 60 beziehungsweise 40 Prozent. Für Areale mit mehreren Nutzern ist die LEG in Kombination mit einem gemeinsamen Speicher eine der interessantesten Konstellationen überhaupt.
    • Neue Abnahmevergütung: Können sich Produzent und Netzbetreiber nicht einigen, richtet sich die Vergütung seit Januar 2026 nach dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis. Für Anlagen unter 150 Kilowatt gilt eine Minimalvergütung, die bei Anlagen bis 30 Kilowatt derzeit 6 Rappen pro Kilowattstunde beträgt und bis 1.2 Rappen bei 149 Kilowatt sinkt. Für grössere Gewerbeanlagen entfällt dieser Schutz, was den Wert des Eigenverbrauchs zusätzlich erhöht.
    • Flexibilität und Abregelung: Verteilnetzbetreiber dürfen am Anschlusspunkt bis zu 3 Prozent der jährlich erzeugten Energie unentgeltlich abregeln. Eine Begrenzung auf 70 Prozent der nominalen Gleichstromleistung führt zu einem Ertragsverlust von unter 3 Prozent. Wer einen Speicher betreibt, kann einen Teil dieser Energie auffangen, statt sie zu verlieren.

    Die Kostenseite ehrlich rechnen

    Die Preise für Lithium-Eisenphosphat-Systeme sind seit 2022 stark gefallen. Für kleinere gewerbliche Anlagen liegen die schlüsselfertigen Systemkosten in der Schweiz aktuell grob zwischen 600 und 1000 Franken pro nutzbarer Kilowattstunde, bei grösseren Container- und Schranklösungen deutlich darunter. Die Zellen selbst machen dabei einen immer kleineren Teil der Gesamtinvestition aus, was bedeutet: Weitere Zellpreissenkungen schlagen nur noch gedämpft auf die Projektkosten durch.

    Regelmässig unterschätzt werden die Nebenpositionen:

    • Netzanschluss, Transformator und allfällige Anpassungen der Hausinstallation
    • Brandschutzkonzept, Aufstellfläche, Fundament, Belüftung und Klimatisierung
    • Energiemanagementsystem, Messkonzept und Anbindung an bestehende Leittechnik
    • Versicherung, Wartung, Monitoring und Betriebsführung über die Laufzeit
    • Rückbau und Recycling am Ende der Nutzungsdauer

    Aussagekräftig ist deshalb nicht der Anschaffungspreis pro Kilowattstunde, sondern der Preis pro tatsächlich durchgesetzter Kilowattstunde über die Lebensdauer. Realistische Rechengrössen sind heute 6000 bis 10 000 Vollzyklen bei LFP-Systemen, eine kalendarische Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren und ein Systemwirkungsgrad inklusive Wechselrichter von etwa 85 bis 92 Prozent. Rund jede achte gespeicherte Kilowattstunde geht also verloren. Dazu kommt die Degradation: Wer mit voller Nennkapazität über 15 Jahre rechnet, rechnet falsch.

    Fünf Fehler, die eine Wirtschaftlichkeitsrechnung unbrauchbar machen

    1. Mit der Nennkapazität statt mit der nutzbaren Kapazität rechnen. Zwischen beiden liegen je nach System 5 bis 15 Prozent.
    2. Die Wirkungsgradverluste ignorieren. Wer 8 bis 15 Prozent Speicherverluste nicht abzieht, überschätzt den Ertrag systematisch.
    3. Lastspitzen aus Monats- oder Jahreswerten ableiten. Belastbar ist nur die Auswertung echter Viertelstundenwerte über mindestens ein volles Jahr.
    4. Erlösquellen doppelt zählen. Dieselbe Kilowattstunde und dieselbe Kilowattleistung können nicht gleichzeitig für Regelenergie, Peak Shaving und Arbitrage eingesetzt werden.
    5. Degradation und Ersatzinvestitionen ausblenden. Wechselrichter und Steuerung erreichen selten die Lebensdauer der Zellen.

    Die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern ist 2026 kein pauschales Ja und kein pauschales Nein. Der regulatorische Rahmen hat sich klar zugunsten der Speicher verschoben: die Rückerstattung des Netznutzungsentgelts, die lokalen Elektrizitätsgemeinschaften, zeitvariable Netztarife und die ab 2027 stundenscharfe Abnahmevergütung schaffen zusammen ein Umfeld, in dem sich Flexibilität endlich bezahlt macht. Gleichzeitig bleibt die Rechnung anspruchsvoll und individuell.

    Belastbar wird sie nur mit drei Grundlagen: einem gemessenen Lastprofil in Viertelstundenauflösung, der konkreten Tarifstruktur des zuständigen Verteilnetzbetreibers und einer ehrlichen Vollkostenrechnung über die gesamte Nutzungsdauer. Fehlt eines dieser drei Elemente, ist jede Amortisationsangabe eine Schätzung.

    Swiss Renewable Solutions investiert im Contracting selbst in die Anlagen, die wir empfehlen. Genau deshalb prüfen wir jede Speicherlösung zuerst rechnerisch und empfehlen sie erst dann, wenn sie sich für beide Seiten trägt. Wo ein Speicher heute noch nicht rentiert, sagen wir das auch.

    Quellen

    • Swissolar: Statistik Sonnenenergie 2025, Medienmitteilung vom 9. Juli 2026
    • Swissolar: 2026, was gilt neu für Photovoltaikanlagen, Beitrag vom 9. Januar 2026
    • Swissolar: Batteriemonitor Schweiz 2026
    • VSE: Swissgrid entwickelt den Schweizer Regelenergiemarkt weiter, Januar 2026
    • Stromversorgungsverordnung StromVV, Art. 18d und Art. 19h, sowie Stromversorgungsgesetz StromVG, Art. 14a und Art. 17c
    • Energiegesetz EnG, Art. 15, und Energieverordnung EnV, Art. 12
  • Sektorkopplung – Der Schlüssel zur erfolgreichen Energiewende in der Schweiz

    Sektorkopplung – Der Schlüssel zur erfolgreichen Energiewende in der Schweiz

    Die Schweiz steht an einem Wendepunkt ihrer Energiewende. Die zentrale Frage lautet: Wie lassen sich Strom, Wärme, Mobilität und Industrie so miteinander vernetzen, dass erneuerbare Energien effizient genutzt werden, Kosten stabil bleiben und Versorgungssicherheit gewährleistet ist? Die Antwort lautet Sektorkopplung. 

    Ein aktuelles Whitepaper zeigt, dass Sektorkopplung nicht nur ein technisches Konzept ist, sondern das Herzstück einer nachhaltigen, resilienten Energiezukunft bildet. Durch die intelligente Verzahnung verschiedener Energiesektoren können Überschüsse aus Solar-, Wind- oder Wasserkraft flexibel genutzt werden – für Heizung, Batteriespeicher oder Elektromobilität. 

    Das Whitepaper wurde initiiert von unserer Mutterfirma OE-EN, die in Zusammenarbeit mit den Partnern erstellt und veröffentlich hat. Die SRS hat ebenfalls einen Beitrag zu einem aktuellen Projekt bei einem Industriebetrieb im Schweizer Mittelland geleistet.  

     

    Praxisbeispiel: Dyno AG im Berner Mittelland 

    Die Dyno AG setzt an ihrem Hauptsitz ein Sektorkopplungskonzept um, um die Energieversorgung nachhaltiger, kosteneffizienter und unabhängiger zu gestalten. Bestehende Anlagen – eine Wärmepumpe und ein kleines Wasserkraftwerk – werden mit einer neuen PV-Dachanlage, einer PV-Fassade für Wintererträge und einem geplanten Batteriespeicher verknüpft. 

    Ein Energiemanagementsystem (EMS) steuert elektrische und thermische Flüsse, sodass überschüssige Solar- oder Wasserkraft für Heizung, Batterieladung oder Elektrofahrzeuge genutzt werden kann. Swiss Renewable Solutions unterstützt bei Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der PV- und Batteriesysteme und übernimmt die Vermarktung von Flexibilitäts- und Ausgleichsenergie, um zusätzliche Erträge zu erzielen und die Netzstabilität zu sichern. 

    Kennzahlen & Vorteile: 

    • PV-Erzeugung: ~600 MWh / Jahr (Dach + Fassade) 
    • Wasserkraftproduktion: ~60 MWh / Jahr 
    • Strombedarf: ~485 MWh / Jahr 
    • Eigenversorgung: aktuell ~30 %, skalierbar auf über70 % mit Batteriespeichern 
    • Reduktion der Abhängigkeit von volatilen Energiepreisen 
    • Betrieb der bestehenden Wärmepumpe wird auf die erneuerbare, lokale Energieproduktion abgestimmt 
    • Vorbereitung des Standorts auf emissionsfreie Mobilität 

    Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie technische Innovation, ökonomische Effizienz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. 

     

    Nationale Perspektive: Chancen, Herausforderungen und Handlungsfelder 

    Wir erlauben uns abgesehen von der lokalen Perspektive noch ein paar Gedanken zum Gesamtzusammenhang. Die Schweiz befindet sich in einem grundlegenden Wandel: Das frühere zentralisierte Energiesystem wird abgelöst durch tausende dezentrale Produzenten – Solar- und Windanlagen, Wärmeerzeuger und Speichersysteme, die zusammenarbeiten müssen. Wie bei einer Tinguely-Maschine müssen alle Zahnräder ineinandergreifen, um Effizienz, Stabilität und Innovation zu gewährleisten. Es gibt  

    Fünf zentrale Handlungsfelder: 

    1. Digitalisierung: Smart Grids, KI und robuste IKT steuern dezentralisierte Erzeugung und Nachfrage. 
    1. Regulierung & Innovation: Rahmenbedingungen sollen administrative Hürden abbauen, lokale Energieverbünde fördern und Innovation ermöglichen. 
    1. Finanzierung: Langfristige Investitionsstrategien in Kooperation zwischen öffentlichem und privatem Sektor. 
    1. Zusammenarbeit: Integration in den europäischen Energiemarkt und Kooperation aller relevanten Akteure. 
    1. Ganzheitliche Planung: Kombination etablierter und neuer Technologien, frühzeitige Einbindung aller Beteiligten. 

    Durch Sektorkopplung lassen sich Lastspitzen abfangen, CO₂-Emissionen reduzieren und Flexibilität erhöhen. Dynamische Preissignale und innovative Netzentgelte schaffen Anreize, erneuerbare Energie effizient zu nutzen und die Versorgungssicherheit zu stärken. So ermöglichen wir tiefe Netzausbaukosten und damit insgesamt tiefe Energiepreise. 

    Die Energiewende ist machbar – wenn wir jetzt handeln. Projekte wie die Dyno AG zeigen, dass technologische Lösungen bereits verfügbar sind und ökonomisch tragfähig umgesetzt werden können. Mit Innovation, Zusammenarbeit und gezielten Investitionen lässt sich ein nachhaltiges, regeneratives Energiesystem für die Schweiz aufbauen, das Kosten senkt, CO₂ reduziert und die Versorgungssicherheit stärkt. 

    👉 Das vollständige Whitepaper „Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende in der Schweiz“ können Sie hier lesen:
    Download Whitepaper (PDF) 

    Partner 

  • Neuer Webauftritt

    Neuer Webauftritt

    SRS mit neuem Webauftritt

    Mit dem neuen Webauftritt der SRS wird das gesamte Spektrum des schnell wachsenden Unternehmens auf eine einfache, übersichtliche und inspirierende Art und Weise verständlich. SRS schafft für seine Partner Mehrwert, entlang einer einmaligen Wertschöpfungskette im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Webseite zeigt neben den wichtigsten Dienstleistungen und Innovationen der SRS auch generelle News zu ihren eigenen Projekten und der Industrie.

  • Hauptsitz Baar

    Hauptsitz Baar

    Die SRS hat Ihren Hauptsitz in Baar eröffnet.

    SRS hat ein neues Zuhause: Im Herbst 2021 hat das Team der SRS die neuen Büroräumlichkeiten des Hauptsitzes in Baar bezogen. Der Standort ist bestens für das weitere Wachstum der Unternehmung positioniert, da er für die Deutschschweiz strategisch zentral gelegen ist und eine gewisse Nähe zu den Verkehrshauptachsen und dem Flughafen Zürich aufweist.

    Weitere Standorte befinden sich in Hamburg und Mannheim, Deutschland.

  • Finanzierung des Projektes Schwandenacker

    Finanzierung des Projektes Schwandenacker

    SRS finalisiert Finanzierung des Projektes Schwandenacker.

    Mit 1150 kWh/kWp oder einer Leistung von rund 380000 kWh pro Jahr, ist das SRS-Projekt der Wohnanlage Schwandenacker in der Stadt Zürich ein weiteres Beispiel für eine gelungene Planung und Implementierung erneuerbarer Energie auf Basis der Photovoltaik. Die Mehrfamilienhäuser, welche über 1500 m2 Dachfläche verfügen, bieten eine ideale Voraussetzung, um vielen Familien die Umstellung auf green energy zu ermöglichen. Als Vergleich: Eine 4-köpfige Familie hat einen jährlichen Energiebedarf von rund 3000 kWh. Es wird entsprechend ein Energiebedarf von weit über hundert Familien abgedeckt. Das Projekt wurde von der SRS durchfinanziert. Während die Planung weitgehend abgeschlossen ist, wird die Anlage 2022 in Betrieb genommen werden.

  • Grüne Energie für die Kraftwerk AG

    Grüne Energie für die Kraftwerk AG

    SRS implementiert grüne Energie für die Kraftwerk AG.

    Auf insgesamt 396m2 Dachfläche konnte das Projekt für grüne Energie der Kraftwerk AG in Mönchaltdorf im Kanton Zürich zeitgerecht und erfolgreich von der SRS umgesetzt werden. In den nächsten Tagen erfolgt die Inbetriebnahme. Mit einer Leistung von rund 90000 kWh pro Jahr wird die Anlage einem wichtigen Teil des Strombedarfs der Unternehmung in Mönchaltdorf produzieren. Bei einer prognostizierten Langlebigkeit von rund 30 Jahren trägt diese Anlage zur weiteren Steigerung der Nachhaltigkeit und der erneuerbaren Energieförderung in Europa bei und ist für das Unternehmen selbst ein wichtiger Meilenstein in eine grüne Zukunft. Die Finanzierung erfolgte vollumfänglich über die SRS, welche sich in jeder Beziehung mit ihren Kunden als Partner versteht, um die jeweils besten, massgeschneiderten Lösungen zu garantieren.